Die Kunst des Loslassen: Der Koffer der Vergangenheit
Der Koffer der Vergangenheit: Warum er dich schwer macht und warum es dir ohne ihn besser geht.
Neulich habe ich meinen Kleiderschrank aufgeräumt.
Da stand er, ganz hinten in der Ecke: ein alter, verstaubter Koffer. Ich habe diesen Koffer seit Jahren nicht mehr geöffnet. Als ich ihn sah, kamen viele Erinnerungen zurück – ein Urlaub, ein Abschied, ein Aufbruch. Ich musste lächeln, aber dann fiel mir auf: Der Koffer ist ziemlich schwer. Mit meinem heutigen Leben hat er jedoch gar nichts mehr zu tun. Stand er da, als ob er mir etwas zuflüstern wollte: Vergiss nicht, was früher war.
Dieses Gefühl kennen wir Frauen über 60 nur zu gut. Wir haben so etwas wie einen Koffer in unserem Inneren, in denen Erinnerungen, alte Geschichten und manchmal auch Schuldgefühle verstaut sind. Diesen Koffer haben wir nie wirklich geleert. Er bleibt bei uns, selbst wenn wir bereits in einem neuen Abschnitt unseres Lebens angekommen sind.
Das, was wir in diesem Koffer verstaut haben, war uns einmal wichtig. Deshalb halten wir es auch weiter fest. Es gibt viele Gründe, warum wir ihn nicht loslassen möchten. Einer der wichtigsten Gründe ist, dass er uns an bestimmte Ereignisse erinnert. Es ist auch ein bisschen so, dass wir ihn als Teil von uns sehen, weil wir ihn schon so lange haben. In diesem Koffer sind auch viele schöne Erinnerungen, die wir ja auf keinen Fall loslassen möchten.

Es gibt viele Gründe, warum wir an der Vergangenheit hängen:
Vertrautheit: Selbst schmerzliche Geschichten sind uns bekannt. Das Neue wirkt dagegen unsicher.
Die Angst vor dem Vergessen ist ein tiefes Gefühl in uns. Da ist die Angst, dass wenn wir loslassen, ein Teil von dem, was wir sind, verloren geht. Unsere Identität, auch das, was uns ausmachte, scheint mit dem zu verschwinden, was wir zurücklassen. Es ist, als ob wir einen Teil von uns selbst verlieren würden, wenn wir bestimmte Dinge oder Erinnerungen verlieren. Diese Angst hält uns oft davon ab, loszulassen und weiterzugehen.
Manchmal bleibt einfach zu viel ungesagt. Ein Abschied kommt und geht, und nicht jedes Wort, das wir sagen wollten, wird tatsächlich ausgesprochen. Das Ergebnis sind offene Rechnungen, die wir unser ganzes Leben lang mit uns herumtragen. Wir denken an all die Dinge, die wir gerne gesagt hätten, aber nicht gesagt haben. Diese unausgesagten Worte und ungeklärten Sachen können uns belasten und uns daran hindern, wirklich loszulassen und weiterzuziehen.
Es ist, als ob wir immer noch auf eine Antwort oder eine Erklärung warten, die nie kommt. Deshalb ist es wichtig, dass wir lernen, mit diesen offenen Rechnungen umzugehen und sie zu vergleichen, bevor es zu spät ist. Nur so können wir wirklich Frieden finden und unsere offenen Rechnungen endlich zur Ruhe bringen.
Wenn wir älter werden, insbesondere nach unserem sechzigsten Geburtstag, fühlen wir das Gewicht des Lebens stärker. Wir sind uns bewusst, dass unser Lebensweg nicht mehr so lang ist wie früher. Deshalb schauen wir oft zurück auf unsere Vergangenheit – manchmal mit Liebe, manchmal mit einem Hauch von Traurigkeit. Doch dieses Zurückschauen kann uns auch behindern, wie ein Anker, der uns daran hindert, vorwärts zu gehen und neue Erfahrungen zu sammeln.

Der Koffer macht dich schwer
Stell dir vor, du machst dich auf den Weg zu einer langen Wanderung. Deine Tasche ist total voll mit Sachen, die du schon lange nicht mehr benutzt hast. Da sind zum Beispiel alte Schuhe, vergilbte Briefe und Steine, die dir jemand auf den Weg gelegt hat. Wie weit würdest du mit all dem Zeug kommen? Du würdest wahrscheinlich schon nach ein paar Schritten stehen bleiben, weil du einfach zu müde und frustriert bist.
Unser seelisches Gepäck funktioniert genau wie unser physisches Gepäck. Jeder Vorwurf, den wir uns machen, jede Enttäuschung, die wir erleben, und jedes Mal, wenn wir denken, wir hätten etwas anders machen sollen, fügen wir unserem Gepäck hinzu. Es ist, als ob wir Steine in unserem Koffer legen. Mit der Zeit merken wir, dass wir nicht nur schöne Erinnerungen bei uns tragen, sondern auch Lasten, die unser Herz belasten und eng machen.
Loslassen heißt nicht vergessen
Viele Frauen sagen mir: „Aber ich will doch nicht vergessen, was war. Meine Geschichte gehört zu mir.“
Das ist absolut richtig. Unsere Vergangenheit formt uns und macht uns zu dem Menschen, der wir jetzt sind. Es gibt aber einen großen Unterschied zwischen aufbewahren und etwas mitschleppen.
Du darfst dich an Erinnerungen erinnern, egal ob sie schön oder schwierig sind. Aber du musst sie nicht wie eine Last auf deinen Schultern tragen. Loslassen bedeutet, dass du deinen Koffer abstellst, die Dinge darin sortierst, das Wertvolle behält und den Rest loslässt.
Damit wir Platz für Neues schaffen können, müssen wir alte Dinge loslassen. Wie sollen wir Platz für neue Träume finden, wenn unser Herz noch voller alter Erinnerungen ist? Wir müssen den Mut finden, loslassen, um Raum für frische Träume zu schaffen.
Freiheit ab 60 – der Moment, den Koffer abzustellen
Wenn Frauen den Sechszigsten erreichen, fühlen sie sich oft befreit. Ihre Kinder sind erwachsen und selbstständig, die Arbeit geht dem Ende zu und sie müssen nicht mehr so viel für andere sorgen. Dies ist die Zeit, in der sie sich die Frage stellen: Was möchte ich mit den Jahren, die noch vor mir liegen?
Genau hier lohnt es sich, den Koffer zu prüfen:
Welche alten Glaubenssätze hindern dich daran, Neues zu beginnen?
Welche alten Rollenbilder hast du noch im Kopf?
Welche Schuldgefühle dürfen endlich in Frieden gehen?

Das Loslassen ist nicht nur etwas, das in unserem Inneren passiert – es kann auch ganz einfach im Alltag beginnen, z. B. mit einem kleinen Brief:
Liebe alte Geschichte,
Ich denke oft an dich und an all die Dinge, die wir gemeinsam erlebt haben. Du bist ein Teil von mir, ein Teil meiner Vergangenheit, und ich bin dankbar für die Zeit, die wir miteinander verbracht haben.
Ich erinnere mich an die Abenteuer, die wir gemeinsam erlebt haben, an die Freude und den Schmerz, die wir geteilt haben. Du hast mich gelehrt, dass das Leben nicht immer leicht ist, aber dass es immer eine Chance gibt, etwas Neues zu entdecken und zu lernen.
Aber jetzt ist es Zeit, dich loszulassen. Ich muss nach vorne blicken und mich auf die Zukunft konzentrieren. Ich werde dich immer in Erinnerung behalten, und ich werde dich jetzt gehen lassen.
Danke für alles, was ich erlebt habe. Es hat mich zu der starken Frau gemacht, die ich jetzt bin!
Diesen Brief an deine Vergangenheit kannst du dann in kleine Stücke zerreißen und in einer feuerfesten Schale verbrennen. Dieses Ritual ist ein Symbol dafür, dass du loslässt und dich auf ein neues Kapitel in deinem Leben freust.
Du bist bereit, ein neues Kapitel in deinem Leben aufzuschlagen, und du wirst dich weiter erinnern, auch wenn du losgelassen hast.
Räume jede Ecke in deinem Koffer auf
Sortiere Fotos – Die, die dir nur wehtun, die kannst du entsorgen.
Kennst du jemandem, dem du innerlich „Danke und Tschüss“ sagen willst? Dann tu es!
Schau nach vorne und nicht zurück: Gestalte deine Zukunft JETZT!
Wenn wir den Koffer leichter machen, geschieht ein wahres Wunder: Wir haben wieder Energie. Wir gehen aufrecht und sehen die Dinge positiv. Wir entdecken plötzlich Chancen, wo wir vorher nur Hindernisse sahen.
Vielleicht hast du immer davon geträumt zu malen, aber nie den Mut gefunden, es auszuprobieren. Vielleicht hast du schon lange von einer Reise geträumt, die dir bisher zu unrealistisch erschien. Vielleicht möchtest du einfach mehr Zeit mit deinen Freundinnen verbringen, anstatt dich in der Hausarbeit zu verlieren.
Man braucht nicht unbedingt eine Menge alter Dinge, um loszulegen. Offene Hände, die bereit sind, Neues anzunehmen, sind viel wichtiger.
Eine kleine Übung für dich
Stell dir vor, du bist an einem Bahnhof und wartest auf deinem Zug. Neben dir steht dein Koffer. Du machst den Koffer auf und schaust hinein, um zu sehen, was du alles eingepackt hast.
Was darf bleiben?
Was darf gehen?
Was möchtest du ab jetzt leicht in der Handtasche tragen, weil es dir Freude macht?
Wenn du den Koffer schließt, stell ihn zur Seite. Spür, wie frei du wirst, wenn du ohne ihn in den Zug steigst.
Was ich gelernt habe
Wenn man über sechzig ist, geht es nicht mehr darum, alles festzuhalten. Es geht darum, loszulassen, Dinge zu sortieren und ein bisschen leichter zu werden. Der Koffer, der die Vergangenheit enthält, war wichtig, aber er muss dich nicht mehr beschweren.
Die Zukunft fängt jetzt an. Jeden Schritt, den du ohne diesen Koffer gehst, lernst du ein bisschen mehr über dich selbst.
✨ Zum Nachdenken:
Welche „Steine“ in deinem Koffer willst du heute ablegen – und welchen kleinen Traum möchtest du dir dadurch leichter erfüllen?
Mehr darüber, wie du die Vergangenheit loslässt und im JETZT lebst, erfährst du in meinem Video auf Youtube https://youtu.be/7y_-SrxduQM